Obergermanisch-Raetischer Limes
von Rheinbrohl bis Regensburg,
Eining (Abusina)

Der Limes

Geschichte des Limes

"Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder!", soll Kaiser Augustus gerufen haben, als er von der Niederlage seines Kommandanten Varus erfuhr. Die Cherusker unter Arminius (oder Hermann) hatten die Römer in Hinterhalte gelockt und vernichtend geschlagen. Die Schlacht dauerte, nach antiken Überlieferungen, einige Tage und erstreckte sich über mehrere Orte. Aufgrund der aktuellen archäologischen Funde fand die Varus-Schlacht wahrscheinlich in der Kalkrieser-Niewedder-Senke im Osnabrücker Land statt.

Nach dem Verlust der drei Legionen im Jahr 9 n. Chr. beendeten die Römer den Versuch, ihr Territorium über die Elbe hinaus zu vergrößern. Sie zogen sich auf die rechte Seite des Rheins und der oberen Donau zurück. Die Römer bezeichneten dieses Gebiet im heutigen Baden-Württemberg als Ari decumates (Dekumantland) - auf der Karte mit waagrechten Linien gekennzeichnet.

Landkarte800oRaKartenskizze aus Pleticha/Schönberger, Die Römer, Gondrom-Verlag

Rund hundert Jahre später wurde die Grenzlinie zwischen Rhein und Donau unter dem römischen Kaiser Domitian befestigt und zum Grenzweg (Limes) ausgebaut. Aus dem einfachen Pfostenweg wurde der Obergermanisch-Raetische Limes mit Erdwällen und Holzpalisaden weiter entwickelt. Hinzu kamen hölzerne Wachttürme, die eine Sichtverbindung zueinander hatten. Um 170 n. Chr. wurde eine 1 bis 1,20 Meter hohe Steinmauer errichtet und die hölzernen Wachttürme durch Steinbauten ersetzt. Die Grenzsicherung bestand aus etwa 900 Wachttürmen und 120 kleine und größere Kastellen.

Die heutige Geschichtsschreibung ist sich sicher, dass der Limes nicht als Verteidigungsanlage gedacht war. Er sollte den Grenzverlauf als Zollgrenze deutlich markieren und Germanen, die im römischen Hinterland auf Raubzüge unterwegs waren, die unbemerkte Rückkehr über die Grenze erschweren.

Wenn eine Grenzverletzung entdeckt wurde, alarmierte die Besatzung der Wachttürme mit Rauchzeichen, Feuer- oder Hornsignalen das hinter dem Limes nächstgelegene Kastell. Von dort rückten dann die Soldaten aus, um die Feinde auszumachen und zu vertreiben oder gefangen zu nehmen. Bei einem größeren Angriff rückte schon mal eine Kohorte (ca. 500 Mann) oder - wenn es ernst wurde - eine Legion aus, die aus zehn Kohorten bestand.

Im Jahre 260 n. Chr. durchbrachen die Alamannen den Limes und drangen an den Rhein und bis ins Alpenvorland ein. Der Limes als Grenze des Römischen Reiches war kaum noch zu halten - die rechtsrheinischen Territorien wurden aufgegeben. Die Römer zogen sich wieder hinter Rhein und Donau zurück. Aber ein Teil der römischen Bevölkerung blieb und vermischte sich mit den einwandernden Alamannen. Aus dem Dekumantland wird die römische Provinz Alamannia.

Der bauliche Verfall des Obergermanisch-Raetischen Limes dauerte Jahrhunderte. Ein bayerischer Chronist schrieb, dass noch im Jahre 1780 Mauerreste auf weiten Strecken zu sehen waren. Später holten sich die Anwohner Steine von diesen Mauerresten, um ihre Häuser zu bauen. Die Bedeutung des Limes geriet in Vergessenheit. Der Volksmund nannte die verfallenen Befestigungen des Raetischen Limes die „Teufelsmauer“. Heute stellt der Limes eines der bedeutendsten Bodendenkmäler Deutschlands dar. Der Obergermanisch-Raetische Limes wurde 2005 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Quellen
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